10. - 16. Oktober 2020

 

Im Herbst nach Helgoland

 

Das ist für viele Vogelbeobachter gleichermaßen Traum und Pflichttermin. Wenn der Herbstzug einsetzt, rasten so viele Vögel auf Deutschlands einziger Hochseeinsel wie auf kaum einem anderen Fleck in Mitteleuropa. Und wo viele Vögel und Beobachter auf wenig Platz verteilt sind, ist die Wahrscheinlichkeit eine Seltenheit zu entdecken sehr hoch.

 

Zunächst ging es heute aber bis Cuxhaven. An der Promenade Richtung Kugelbake tummelten sich etliche Steinwälzer und darunter auch zwei Meerstrandläufer.

Auch einige Stare suchten im Seetang nach Fressbarem und wurden gelegentlich sogar von etwas Sonne angeleuchtet.

Vor der Kugelbake lief dieser Sanderling umher.

Vor der Kugelbake lag ein großer Trupp Eiderenten, welcher für Ostseeverhältnisse sehr nah kam. Einige (Foto Mitte) waren noch nicht ins Prachtkleid durchgemausert.

Während des Fotografierens bewölkte sich der Himmel immer mehr und kurze Zeit später traf mich ein kräftiger Regenschauer. Trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen, auf dem Rückweg noch ein paar Austernschalen zu fotografieren.

 

 

Nach einer stürmischen und regnerischen Überfahrt mit der "Funny Girl", die "MS Helgoland" war defekt, kam ich mittags auf der Insel an. Der Weg zur Ferienwohnung im Oberland dauerte sehr lange - kein Wunder  - waren doch schon im Südhafen viele Wintergoldhähnchen zu sehen, die teilweise keine Armlänge von mir entfernt in den Büschen herum turnten. Im Mittelland dann gleich der erste Knaller: eine Westliche Weißbart-Grasmücke hielt sich im unzugänglichen Gestrüpp Richtung Invasorenpfad auf und ließ sich immer nur sehr kurz und auf große Distanz beobachten. Dementsprechend haben die Fotos auch nur Belegcharakter.

In der Ferienwohnung stellte ich nur das Gepäck ab und dann ging es auch direkt wieder los. Am Pinneberg waren eine Zwergammer und eine Ohrenlerche zu bestaunen. Während erstere teilweise nur vier Meter entfernt im Gras saß und sich von den vielen Fotografen nicht stören ließ, war letztere deutlich scheuer und nicht zu einem Belegfoto bereit.

Am nächsten Tag machte die Meldung eines Taigazilpzalps am Kringelstrand die Runde. Nachdem ich einige Zeit die Gegend abgesucht hatte, fand sich auch schnell ein grauer Zilzalp, der auf mich sehr vertraut wirkte. Leider war es doch nur ein "normaler" europäischer. Zilpzalps zeigen generell eine große Variation der Gefiederfarben. Ein Taigazilpzalp wäre noch deutlich grauer gewesen und hätte kein grün am Flügel gezeigt.

Im Mittelland hatte sich ein zumindest für Helgoland seltener Gast eingefunden. Eine Waldohreule hatte dort ihren Tagesruhestand bezogen und verharrte regungslos an einem Baum und war sehr gut getarnt.

Das Tagesgeschehen wurde von zwei Arten dominiert: dem Wintergoldhähnchen und dem Wiesenpieper. Beide rasteten zu Hunderten, wenn nicht gar Tausenden auf der Insel und waren überall zu sehen.

Während eines Spazierganges über das Oberland wurde ich auf eine dunkle Möwe aufmerksam, welche sehr athletisch wirkte. Offensichtlich eine Raubmöwe. Schnell ein paar Belegfotos gemacht und mit anderen Beobachtern diskutiert und schon stand fest: Spatelraubmöwe! Zu erkennen an der fehlenden Schwanzspieße, der kurzen Fußprojektion und dem doppelten weißen Komma auf der Flügelunterseite.

Kurz vor der Langen Anna fanden sich noch zwei Basstölpel. Ein wohl später Jungvogel, der noch nach Futter bettelte und ein Elterntier.

Im Oberland hatte sich noch eine zweite Zwergammer eingefunden. Plötzlich flog noch ein weiterer Vogel dazu, der deutlich heller war, aber auch eine Ammernmaske besaß. Eine Spornammer! Alle drei waren nun für kurze Zeit direkt nebeneinander zu sehen. Dies gibt es wohl auch nur auf Helgoland.

 

Plötzlich machte eine Eilmeldung die Runde. Blauschwanz im Mittelland!!! Von allen Seiten der Insel strömten plötzlich Ornithologen und Fotografen zusammen, insgesamt über 80. Der Blauschwanz war leider nur sehr kurz offen zu sehen und flog sofort ins tiefere Gebüsch ab, wo er nicht mehr wiedergefunden wurde. Zu schade, leider habe ich kein Foto machen können. :-(

Dienstagmorgen begann meine Runde am Nordoststrand, wo sich neben Gebirgsstelzen auch einige Pfuhlschnepfen aufhielten, die hier wie an der Ostsee auch wenig Scheu zeigten.

Danach ging es zum Kompost. Durch die Ablagerungen des Strauchschnitts, einigen großen Pfützen und den anliegenden Sanddornsträuchern herrscht hier eine besondere Vogelvielfalt. Hier fanden sich bis zu fünf Gebirgsstelzen, Rotkehlchen, Heckenbraunellen, Amseln, Sing-, Wacholder- und Rotdrosseln und Zaunkönige. Zugleich ist dies wohl der zuverlässigste Platz auf Helgoland um eine Zwergschnepfe zu sehen, die sich mir allerdings nicht zeigte. Dafür jagte am Falm eine Sumpfohreule.

Neben einigen Gelbbrauen-Laubsängern - ich konnte bisher nur zwei Vögel kurz sehen - hielt sich an der großen Treppe zusätzlich ein Goldhähnchen-Laubsänger auf. Leider war dieser Vogel permanent im dichten Strauchwerk verborgen und mein einziges Foto zeigt nur einen kleinen Teil des Rückens. Vielleicht gibt es beim nächsten Aufenthalt bessere Bilder.

 

Das Mittagessen musste heute ausfallen. Im Gestrüpp unterhalb der Fangstation war ein Vogel gesehen worden, der einem Middendorff-Laubsänger stark ähnelte. Diese nordostasiatische Art war zuvor erst einmal in Deutschland (2011 auf Mellum) nachgewiesen worden. Dann kam die Bestätigung der Vogelwarte. Der Vogel wurde gefangen, beringt, der Menschenmenge (rund 180 Besuchern) präsentiert und danach wieder im Fanggarten freigelassen.

Gut zu erkennen sind auf dem zweiten Foto die zwei weißen Flügelstreifen, weshalb er im Englischen Two-barred warbler heißt.

Nach der Freilassung wurde auf der ganzen Insel noch nach dem Vogel gesucht. Am Leuchtturm wurde er auch kurz noch gesehen, dabei fiel die Aufmerksamkeit aber auf einen ganz anderen Vogel. Ein Schwarzkehlchen war deutlich heller als ein anderes. Schnell kam der Verdacht auf, es könnte sich um ein Stejneger-Schwarzkehlchen handeln, was durch ein paar Fotos allerdings entkräftet wurde. Es wäre der erste Nachweis für Deutschland gewesen. Schade, trotzdem präsentierten sich beide Vögel im besten Licht auf kurze Distanz.

An der Nordklippe hielt sich für einige Minuten ein später Baumfalke auf, welcher den ständig rufenden Wiesenpiepern und Buchfinken hinterher guckte, in der Hoffnung einen von ihnen zu erwischen. Nach einigen Minuten war seine Geduld wohl vorbei und er machte sich wieder auf die Jagd.

Am Canyon vor der Radarstation hielten sich einige Singdrosseln auf, die völlig unbeeindruckt von den Menschen das Gras nach Fressbarem durchsuchten. 

Abends ging es dann noch zum Kringeltor und zum Kringelstrand, wo sich einige Kegelrobben aufhielten.

Heute Vormittag hatte ich beschlossen, die Kamera in der Ferienwohnung zu lassen und nur mit Fernglas und Spektiv (alles drei wird doch recht schnell schwer und unhandlich) los zu ziehen und Seawatching zu betreiben. Zu sehen waren jedoch nur einige Krähenscharben, Trottellummen und Tordalken, als mich plötzlich die Meldung eines Waldpiepers am Kringeltor erreicht. Kaum hat man die Kamera nicht dabei, landet hier die Seltenheit. Nachdem ich mir den Waldpieper kurz im Spektiv angeschaut hatte und ein paar eher mäßige Fotos mit dem Handy gemacht hatte, bin ich zurück, um die Kamera zu holen. Als ich wieder am Kringeltor war, war der Waldpieper schon wieder weg. So ist das eben. Dafür zeigte sich eine Gebirgsstelze sehr kooperativ und bildete einen schönen Kontrast zum roten Sandstein.

Nachmittags ging es dann mit Kamera in Richtung Kompost zum Zwergschnäpper, welcher sich lange auf kurze Distanz fotografieren ließ.

Am nächsten Morgen nutzte ich die Zeit aus und versuchte mich noch einmal an der Spornammer im Oberland. Tatsächlich war der Vogel auch schnell gefunden und blieb eine Stunde lang sitzen und konnte so ausgiebig fotografiert werden. Als Beifang gab es noch zwei Feldlerchen.

Gartenrotschwanz
Gartenrotschwanz

Da ich mit den ersten Bildern vom Zwergschnäpper noch nicht so ganz zufrieden war, am Kompost war nachmittags das Licht sehr schwierig, wollte ich es vormittags noch einmal probieren. Der Zwergschnäpper war allerdings nicht da, dafür präsentierten sich zwei Gartenrotschwänze. Dazu kamen dann noch ein Taigabirkenzeisig und eine späte Gartengrasmücke.

Nachmittags versuchte ich mein Glück noch einmal am Kringeltor, doch der Waldpieper war nicht anwesend. Dafür saßen auf der Mauer zwei Ohrenlerchen. Leider waren sie aber recht weit weg.

Abends zog eine tolle Wolkenstimmung auf, die auch die Farben der Silbermöwe richtig zum Leuchten brachte.

Am letzten Tag hatte ich nicht viel Zeit, da das Schiff - die MS Helgoland fuhr wieder - nachmittags abfuhr. So suchte ich vormittags nach einem Krabbentaucher, der um die Insel schwamm und den ich an drei Stellen jeweils nur um Minuten verpasste. Dafür sah ich eine Gryllteiste im Nordostbecken herumschwimmen.

Am Mittag, ich war gerade am Leuchtturm, kam die Meldung über einen Dunkellaubsänger herein, welcher noch gezeigt werden sollte. Schnell machte ich mich auf den Weg zur Vogelwarte und es wurden gleich zwei Vögel präsentiert. Bei ersterem handelte es sich mit einiger Wahrscheinlichkeit um eine östliche Klappergrasmücke. Letzte Zweifel muss noch ein DNA-Test beseitigen.

Auf dem Rückweg über das Mittelland versuchte ich mich noch an einer Rotdrossel, die, überhaupt nicht scheu, nur wenige Meter neben mir im Gras herum lief. Auf dem Festland sind solche Fotos nur sehr selten möglich.

Direkt am Schiffsanleger zeigte sich dann auch noch ein Gelbbrauen-Laubsänger in kurzer Entfernung in einem Gebüsch und hielt zumindest einige Sekunden lang still.

Fazit: In sechs Tagen elf! neue Arten: Westliche Weißbart-Grasmücke, Zwergammer, Ohrenlerche, Spornammer, Blauschwanz, Spatelraubmöwe, Middendorff-Laubsänger, Goldhähnchen-Laubsänger, Waldpieper, Zwergschnäpper und Dunkellaubsänger, dazu etliche tolle Beobachtungen und Fotos, auch von häufigen Arten, in so kurzer Zeit. Nächstes Jahr um diese Zeit komme ich wieder!


DER WALFISCH-BLOG 12. - 19. September 2020

 

Samstag, 12. September

 

Heute ging es endlich los. Punkt 8 Uhr war Abfahrt im Wismarer Hafen mit dem vereinseigenen Boot. Nach einer gemütlichen 3/4 Stunde auf der spiegelglatten Ostsee kam ich bei bestem Wetter an. Schnell die Übergabe, noch ein paar Hinweise, Auspacken und Einräumen und dann war ich allein für eine Woche.

Das vierte Mal werde ich eine Woche Vogelwart sein. Ganz alleine. Naja, fast. 21 Schafböcke zur Beweidung sind auch da. Und natürlich Vögel - in Spitzenzeiten werden es über 2.000 auf 80ha NSG-Fläche sein. Macht 2.500 Vögel/km². Das sind deutlich mehr Vögel pro Fläche als Wismar Einwohner pro Quadratkilometer hat.

Zu dieser Jahreszeit typisch und der Hauptgrund warum ich meinen Aufenthalt immer zwischen Ende August und Mitte September lege, ist die Zugerfassung, insbesondere die der Limikolen. Ein erster Inselrundgang war vielversprechend. Mindestens 31 Knutts, 24 Alpenstrandläufer, sechs Zwergstrandläufer, fünf Flußuferläufer, vier Steinwälzer, drei Sandregenpfeifer, zwei Grünschenkel, zwei Brachvögel und jeweils ein Austernfischer und Sanderling konnten sich wirklich sehen lassen. Die letzten Jahre konnte ich von diesen Zahlen nur träumen. Insbesondere Zwergstrandläufer sind gerade in der Wismarbucht nicht wirklich häufig zu sehen und wenn, dann immer nur einzeln oder maximal zu zweit. Gleich sechs auf einmal hatte ich noch nie gesehen. Als Hobbyfotograf ließ ich mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen und versuchte mich an ein paar formatfüllenden Aufnahmen. Und das heißt bei Limikolen durch den Sand suhlen, den Kormorane und Schafe fleißig mit ihren Hinterlassenschaften versehen hatten. Was tut man nicht alles für ein paar gute Fotos... :-)

Alpenstrandläufer

Zwergstrandläufer

gemischter Limikolentrupp

ganz links 1 Alpenstrandläufer, oben links 2 Sandregenpfeifer, darunter ein Zwergstrandläufer und 1 Steinwälzer mit Seetang, darunter und die zwei rechts Alpenstrandläufer, ganz rechts noch ein Zwergstrandläufer
ganz links 1 Alpenstrandläufer, oben links 2 Sandregenpfeifer, darunter ein Zwergstrandläufer und 1 Steinwälzer mit Seetang, darunter und die zwei rechts Alpenstrandläufer, ganz rechts noch ein Zwergstrandläufer

Im späteren Verlauf fand ich in der Festung noch ein Ringeltaubennest, welches zwei Eier enthielt. Ein Altvogel brütete noch. Reichlich spät, aber bei den Temperaturen und milden Wintern haben die Jungen trotzdem noch gute Chancen.

Ab Mittag nahm der Wind ordentlich auf Windstärke vier bis fünf zu.

Sonntag, 13. September

 

Der Morgen begann ruhig. Ich sah dem Fischer dabei zu, wie er seine Netze auswarf. Es herrschte immer noch Windstärke vier. Beim morgendlichen Rundgang stellte ich fest, dass die Limikolen immer noch anwesend waren und versuchte mich diesmal an den Steinwälzern. Gar nicht so einfach, da die Vögel recht scheu sind.

Steinwälzer

Heute zeigten sich mit Klapper-, Dorngrasmücke, Stieglitz und Bluthänfling auch mal ein paar mehr Singvögel. Dominant waren jedoch immer noch Stare, Rauch- und Mehlschwalben und Feldsperlinge. Mittags überflogen zwei alte Seeadler die Insel. Einer guckte nach einem geeignetem Landeplatz, entschied sich wohl wegen meiner Anwesenheit aber doch zum Weiterflug. Nachmittags kam ein K4-Seeadler und landete auf der Nordspitze, wo er sofort von einer Silbermöwe heftig gemobbt wurde. Nach fünf Minuten entschied aber auch er sich für den Rückzug.

 

Abends ließ der Wind nach und über dem Poeldamm veranstaltete ein großer Starentrupp Flugmanöver.

Montag, 14. September

 

Heute morgen war die Ostsee glatt wie ein Ententeich. Gute Bedingungen zum Zählen der Wasservögel. Immerhin 25 Schwarzhalstaucher hielten sich im Norden auf. Dazu Eider-, Pfeif- und ein paar Schnatterenten. Morgens waren sogar einige Dohlen, Nebel- und Rabenkrähen über der Insel. Die Limikolen waren trotz guter Weiterzugbedingungen geblieben. Im Laufe des Morgens und Vormittags begann sich die Nordspitze mit Kormoranen zu füllen. Ungefähr 600 rasteten dort um diese Zeit.

 

Mittags riefen plötzlich alle Limis und flogen auf. Die Ursache war schnell ausgemacht. Ein Kanu mit zwei Personen und einem Hund umrundete die Nordspitze zu dicht und fuhr weiter in Richtung Poel. Trotz Montag waren viele Freizeitwassersportler unterwegs. Am frühen Nachmittag kam ein weiteres Kanu aus Richtung Poel. Die Hälfte der Kormorane flog Richtung Wismar ab, der Rest blieb oder verteilte sich im Wasser um die Nordspitze. Die Höckerschwäne flüchteten bereits auf rund 400 Meter Entfernung.

 

Nachmittags wurde es mit 26°C drückend heiß und ich setze mich in den Schatten. Vielleicht könnten heute ja mal ein paar Zugvögel durchziehen wie z.B. Wespenbussarde. Aber nichts war zu sehen. Die Kormorane wurden wieder mehr, erst 600, dann 700, 800. Immer mehr kamen von ihren Jagdgründen von der offenen Ostsee. Zuletzt sind es rund 1.400.

 

Zur Abwechslung versuchte ich mich daran, die zahlreichen Stare im Flug zu fotografieren. Wirklich keine leichte Angelegenheit, denn die Vögel waren schnell, wendig und ihr Flug war unberechenbar. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass sie genau wussten, was ich vorhatte, denn immer wenn mein Tele schussbereit war, flogen sie im großen Bogen um mich herum. Die Ausbeute war dementsprechend mager.

Kurz vor 17:00 Uhr beendete ein Fischer den Kormoranzuzug, indem er kurz vor der Insel seine Reusen aufstellte und somit die gesamte Nordspitze zum Abflug zwang. Nur ein paar Limikolen blieben. Der Fischer fuhr dicht nahe an die Nordspitze heran, wohl keine 50 Meter entfernt. Aber immer noch außerhalb des NSG. Da half nur eine Störungsmeldung auszufüllen. Mit Hilfe von Belegfotos, dem Bildwinkel des Objektivs, meines Standortes und der Länge des Bootes konnte ich die Entfernung des Bootes zur NSG-Grenze errechnen. Der Fischer war knapp außerhalb - die Vögel verscheuchte er trotzdem.

 

Abends sah ich noch einen Stehpaddler weit vor dem Nordstrand. Der wird doch wohl nicht etwa näher kommen? Zum Glück drehte er nach ein paar Minuten ab. Nochmal Glück gehabt.

 

Fazit: Je wärmer, desto mehr Störungen und trotz guter Thermik nur drei kleine Kranichtrupps. Der Abend endete wie immer mit einem wunderschönen Sonnenuntergang.

Dienstag, 15. September

 

Der Morgen begann wieder mit einem spiegelglatten Ententeich. Die Nordspitze war noch fast unbesetzt und so begann ich wie üblich meinen Rundgang. Durch die ruhige Nacht schien ein Großteil der Limikolen abgezogen zu sein. Nur noch 16 Alpenstrandläufer, sechs Sandregenpfeifer, sechs Zwergstrandläufer, fünf Knutts und vier Steinwälzer konnte ich entdecken. Mein zweiter Rundgang mit Kamera endete am Hals zur Festung. Hier hatte sich ein Schaf im Schlingknöterich verfangen. Mit einer Astschere befreite ich es und es rannte sofort quer über die ganze Insel zu seinen Artgenossen. An der Südspitze traf ich es mit einigen anderen wieder. Die Schafe schienen plötzlich viel zutraulicher als sonst. Kurz schien es so, als würden sie mir folgen und eines kam sogar so nahe, dass ich es streicheln konnte. Vielleicht hatte das befreite Schaf seinen Artgenossen von mir erzählt?

 

Pünktlich um 12:30 Uhr flogen sämtliche Vögel - rund 1.000 Kormorane und einige Möwen von der Nordspitze ab. Um diese Uhrzeit konnte dies nur eine Störung sein. Greifvögel sah ich keine, also konnten es nur Menschen sein. Kurz darauf kam ein Stehpaddler um die Nordspitze herum und ein Segelboot direkt hinter ihm - der Buchtranger! Er forderte ihn per Megaphon auf, den Bereich umgehend zu verlassen, was der Stehpaddler eher widerwillig auch befolgte. Beide drehten Richtung Poel ab.

Es dauerte etwa 20 Minuten bis sich der erste Kormoran wieder niederließ. Nach rund 90 Minuten waren wieder 350 Kormorane anwesend. Die 1.000er Marke wurde erst gegen 17 Uhr wieder erreicht.

 

Der Nachmittag verlief ruhig. Zwei kleine Kranichtrupps, 2 Rohrweihen, 1 Fischadler und ein Mäusebussard, sowie kleinere Rauchschwalbentrupps zogen Richtung Süden.

 

Abends war über dem Festland eine irisierende Wolke zu sehen. Dabei brechen Eiskristalle in großer Höhe das Licht, sodass die Wolke in Regenbogenfarben erscheint.

Als die mittlerweile rund 1.200 Kormorane allmählich ihren Rückzug Richtung Wismar antraten, erschien ein Drachenboot, welches langsam auf die Insel zuhielt. Mir schwante nichts Gutes. Das Boot verschreckte mit den lauten Trommelgeräuschen sämtliche Vögel von der Nordspitze, drang ins NSG ein und umfuhr die Nordspitze und die Festung nur knapp. Wie praktisch, dass der Name des Veranstalters auf dem Boot stand...

 

Also blieb auch diese Nacht die Nordspitze wieder leer.

Mittwoch, 16. September

 

Heute bin ich extra früh aufgestanden, denn die Nacht war wieder sternenklar. Diese Situation hatte ich ausgenutzt, um ein wenig Astrofotografie zu betreiben. Voll ausgerüstet mit zwei Stativen, Kamera und Fernauslöser ging es dann nach draußen. Die Ergebnisse können sich für einen ersten Versuch in diesem Feld sehen lassen.

Ein erster Rundgang am Morgen zeigte, dass heute alle Knutts und Grünschenkel abgeflogen waren. Auch waren nur noch zwei Steinwälzer und nur noch ein Sandregenpfeifer anwesend. Die klare und windstille Nacht wurde also von vielen Vögeln für den Abzug genutzt. Die gute Thermik am Vormittag wurde nur von einem kleinen Kranichtrupp genutzt, sonst blieb der Himmel leer. 

 

Gegen 11:30 Uhr leerte sich die Nordspitze mit einem Schlag. Ein Kanufahrer fuhr im geringen Abstand an ihr vorbei und verjagte dabei rund 600 Kormorane, über 60 Mittelsäger, 70 Möwen und trieb die Höckerschwäne vor sich her. Nach einer vollständigen Umrundung fuhr er Richtung Poel ab. Mittags zog zunehmend Wind aus Nordwesten auf, aber auch er brachte keine neuen Vögel auf oder über die Insel. Daher nutzte ich den Tag, um mich ein bisschen der noch blühenden Flora der Insel zu widmen.

Gegen 17 Uhr erreichte die Anzahl der Kormorane auf der Nordspitze mit etwa 800 ihr Tagesmaximum und ab 18:20 Uhr hieß es Abflug zu den Schlafplätzen in Wismar. Um 18:45 Uhr fuhr schließlich noch die MS Europa aus dem Wismarer Hafen in Richtung Danzig aus.

Donnerstag, 17. September

 

Heute morgen gab es Hochwasser mit 1,06m über dem mittleren Wasserstand in der Spitze. Das führte dazu, dass die Nord- und die Südspitze komplett verschwanden und die Limikolen auf das Festland auswichen. Vor der Nordspitze wurde ein kleiner Graben zu einem zwei Meter breiten Bach und ließ so noch eine kleine Mini-Insel entstehen. Der allmorgendliche Rundgang verlegte sich also auf die "höheren Lagen" der Insel. Auch die Festung konnte man nicht mehr erreichen. Im Südschilf bildete sich ein Salzsee, der sofort von Stock- und Pfeifente, sowie Gänse- und Mittelsägern genutzt wurde. Durch die Abkühlung auf 18°C und den beständigen Nordostwind setzte bei den Kranichen heute endlich Zugstimmung ein und so flogen mehrere Trupps mit insgesamt 415 Vögeln über die Insel Richtung Südwesten. Auch ein paar letzte Rauchschwalben nutzten die günstigen Zugbedingungen. Gegen Mittag war der Wasserstand wieder so stark gesunken, dass man wieder rund um die Insel laufen konnte. Auch die Festung war wieder erreichbar und der Salzsee entleerte sich wieder in die Ostsee. Das Beste jedoch war, dass es durch den Wetterumschwung keine einzige menschliche Störung mehr gab. Hoffentlich bleibt das so.

Freitag, 18. September

 

Heute ist der letzte "richtige " Tag auf Walfisch. Er beginnt wieder mit absoluter Windstille. Die Limikolen sind seit dem Hochwasser nicht wieder gekommen und die Insel ist somit vogeltechnisch sehr ruhig. An der Südspitze und in der Südbucht fanden sich zahlreiche Spuren eines Fischotters. Er war wohl nachts oder am frühen Morgen vom Festland aus herüber geschwommen. Gesehen hat ihn allerdings noch nie jemand.

 

Zum späteren Vormittag setzte starker Kranichzug ein, der bis zum frühen Nachmittag anhielt. Insgesamt 3.249 Exemplare überflogen in großen und kleinen Trupps die innere Wismarbucht. Außer Kranichen zogen nur noch ein paar Rauchschwalben und ein Rotmilan durch. Wieder kein Wespenbussard - und das, obwohl bestes Zugwetter herrschte.

 

Den Rest des Nachmittages verbrachte ich mit Packen und Übertragen der Beobachtungsdaten in die elektronische Form. Morgen gegen 10 Uhr geht es zurück Richtung Festland.

 

Bis zum nächsten Mal Walfisch!


06. September 2020

 

Waldimpressionen aus Zierow


30. August 2020

 

Karrendorfer Wiesen

 

Die Karrendorfer Wiesen nördlich von Greifswald sind Ende August/Anfang September eine der besten Beobachtungsplätze für Odinshühnchen und Sumpfläufer in Mecklenburg-Vorpommern. In der Wismarbucht sind diese Vögel nur recht selten und auch nicht jedes Jahr zuverlässig zu sehen.

Somit stand heute ein Besuch in den Wiesen an, der wohl zum Pflichtprogramm zu dieser Jahreszeit gehört.

 

Beeindruckend sind zu dem die großen Mengen an Graugänsen und Kiebitzen, die hier ihren Schlafplatz haben und früh morgens in die umliegenden Felder zur Nahrungssuche fliegen.

Recht nah am Weg zeigte sich dieser Kampfläufer, wie er zwischen drei Temminckstrandläufern nach Fressbarem suchte.

Drei Odinshühnchen konnte ich direkt nebeneinander sehen. Leider nur im kompletten Gegenlicht. :-(

Direkt neben den Odinshühnchen zeigte sich auch ein Dunkler Wasserläufer auf kurze Distanz, welcher schon fast ins Schlichtkleid mauserte.


08. August 2020

 

Rostock bei Nacht

Blütenmakro

 

Die Fotos entstanden mit einem 35mm f/2.0 Objektiv mit zwischengeschaltetem 12mm Automatik-Zwischenring. Es wurde ein Fokusstack aufgenommen und die Bilder mit Helicon Focus (Methode B) verrechnet.


18. Juli 2020

 

Die Anklamer Polder

 

waren dieses Wochenende mein Beobachtungsziel. Ich hatte mir vorgenommen, Seeschwalben und Limikolen, insbesondere Stelzenläufer, zu fotografieren. Bedingt durch die zu hohen Wasserstände durch Regulierungsmaßnahmen waren leider kaum Watvögel anwesend, dafür aber etliche der gesuchten Raub- und Weißbart-Seeschwalben.

In einem Holzturm brüteten etwa 25 Mehlschwalbenpaare, die unerlässlich Futter für die fast flüggen Jungen herbeischafften.


29.06.2020

 

2 Wochen Urlaub gehen zu Ende

 

In diesem Jahr ging es nach Mittenwald im Allgäu. Mein Ziel war es, in den Bergen wandern zu gehen und dabei möglichst viele alpine Vogelarten zu beobachten. Durch den vielen Regen in der Region war allerdings auch die Blumenwelt beachtlich. Insbesondere Orchideen waren in großer Zahl an vielen Orten zu sehen.

 

Durch Anklicken der Fotos wird der Name der Blume sichtbar.

Neben den Blumen war auch die abwechslungsreiche Landschaft aus Hochgebirge, wilden Flüssen mit vielen Kiesbänken, Mooren und Wäldern mit Totholzanteilen sehr sehenswert.

Und zu guter Letzt habe ich natürlich auch viele Vögel gesehen. Neu für mich waren Tannenhäher, Berglaubsänger, Weißrückenspecht, Grauspecht, Alpendohle, Alpenbraunelle, Schneesperling, Alpenschneehuhn, Felsenschwalbe und Mauerläufer. Auf dem Rückweg habe ich noch kurz einen Stop im Nymphenburger Park in München eingelegt, in dem ein Halsbandschnäpper gerufen hat, der sich jedoch leider nicht zeigte.

Im Kurpark von Mittenwald sang an einer Stelle ein sehr ortstreues Trauerschnäpper-Männchen. Ich konnte es die gesamten zwei Wochen fast immer im selben Baum beobachten.

Andere Tiere außer Vögeln gab es natürlich auch noch. Die Kühe laufen hier wie überall in den Alpen frei auf den Wegen herum


01. Juni 2020

 

Der Polder Rosin

 

ist jedes Spätfrühjahr ein guter Punkt um Wasservögel zu beobachten. Neben allen drei Sumpfseeschwalben brüten dort auch zahlreiche Kormorane, Höckerschwäne und diverse Entenarten. In manchen Jahren gelingen auch Nachweise aller acht europäischen Rallen. Dieses Frühjahr wurden zwei kleinere Hochstände gebaut, durch die man die Wasserflächen jetzt noch besser einsehen kann.

Diese Wasserralle hielt sich direkt vor einem Hochstand auf und ließ sich längere Zeit sehr frei beobachten.
Diese Wasserralle hielt sich direkt vor einem Hochstand auf und ließ sich längere Zeit sehr frei beobachten.
Schilfrohrsänger riefen an vielen Orten im Schilf.
Schilfrohrsänger riefen an vielen Orten im Schilf.
Ein Kuckuck landete in einem Baum.
Ein Kuckuck landete in einem Baum.

Weißbart-Seeschwalben im Polder Levin-Werder.


31. Mai 2020

 

Bunte Gräser und Blumen

 

blühen derzeit auf der Ritenkoppel und bilden so jedes Jahr aufs Neue tolle Farbakzente.


24. Mai 2020

 

Letztes Jahr

 

im Juli und August hielten sich an der Warnow in Rostock-Gehlsdorf ein bis zwei Zwergdommeln auf, welche ich trotz mehrfacher Nachsuche leider nicht wiederfinden konnte.

Umso überraschter war ich, als heute an der selben Stelle ein dohlengroßer beiger Vogel mit schwarzen Flügeln über das Schilf flog und an einem alten Steg gut sichtbar landete. Eine männliche adulte Zwergdommel! Schnell packte ich die Kamera aus und machte ein paar Belegfotos. Leider verschwand der Vogel sehr schnell im Schilf und flog nach ein paar Minuten unvermittelt wieder ab und konnte von mir nicht wieder gefunden werden. 

 

Trotzdem, meine erste Dommelsichtung überhaupt und dann auch noch die deutlich seltenere der beiden europäischen Arten.

 

 


09. Mai 2020

 

Nandus

 

muss man im Wakenitztal nie lange suchen. Dieser Vogel stand zudem direkt an der Straße und ließ sich aus sehr kurzer Distanz sehr gut beobachten und fotografieren.


18.04.2020

 

Dritter Anlauf

 

bei den Ringdrosseln. Aktuell sind es sogar acht Vögel, die sich im Inneren der Büsche verstecken. Zu sehen bekommt man die sehr scheuen Vögel nur, wenn sie rufend - in großer Distanz natürlich - an einem vorbei fliegen. Dafür gab es neben den üblichen Turmfalken und Heckenbraunellen, sogar einen Raubwürger zu sehen und als Sahnehäubchen einen abfliegenden Löffler. Letzterer war leider sehr weit entfernt, weshalb das Foto gerade einmal Belegcharakter hat.


12.04.2020

 

Die ersten Gartenrotschwänze sind angekommen.


11. April 2020

 

Ostersamstag

 

ging es nach Dechow zum Röggeliner See und dem dortigen Moorwanderweg. Der See lag zu Beginn noch komplett unter Nebel und erzeugt eine malerische Stimmung.


10. April 2020

 

Das anstehende Osterwochenende

 

und die darauffolgende Woche habe ich zu teils sehr ergiebigen Ausflügen und die direkte Umgebung genutzt. Gleich früh morgens am Karfreitag ging es zum Lostener See, einem langgestreckten See zwischen Wismar und Bad Kleinen, durch den der Wallensteingraben fließt. Durch die noch niedrigen Temperaturen stieg etwas Nebel auf und sorgte für eine schöne Atmosphäre. 

An der Hobener Bucht gab es auch gleich einige Knüller: neben den ersten Rauchschwalben, waren gleich alle drei Blaukehlchenreviere besetzt und zur Krönung gab es sogar eine Ringdrossel auf der Ritenkoppel. Dieses Art ist Brutvogel der Mittelgebirge und Gebirge (Harz, Schwarzwald, Alpen) und in Norddeutschland nur auf dem Durchzug zu sehen. 


26. Januar 2020

 

Ich sehe wen, den Du nicht siehst

 

So oder so ähnlich erging es mir heute an einem Waldohreulen-Schlafplatz. Im Winter sammeln sich die Eulen, die sonst Einzelgänger sind und bilden Schlafgemeinschaften von teilweise mehreren Dutzend Tieren. An diesem Schlafplatz konnte ich nur zwei entdecken, wobei sicherlich noch weitere Vögel in den umliegenden Kiefern versteckt waren. Leider sind sie nicht nur gut getarnt, auch sitzen sie immer in den Wipfeln, weshalb viele Äste ins Bild ragen.

02. Februar 2020

 

Nachtrag:

 

Nachdem ich noch einen Tipp bekommen habe, wo man die Eulen besser fotografieren kann, war ich heute nochmal vor Ort und konnte insgesamt zwölf Waldohreulen sehen. Zwar waren jetzt weniger Äste im Bild, dafür waren die Lichtverhältnisse nicht besser.


20. Januar 2020

 

Ein sonniges Wochenende

 

habe ich mal wieder genutzt, Vögel in Rostock zu zählen. Beim Rundgang über den neuen Friedhof, fiel mir dieses Eichhörnchen ins Auge, wie es lange damit beschäftigt war, eine Nuss zu knacken. Die meisten Vögel hielten sich leider weit oben in den Bäumen auf oder flüchteten zu schnell, als dass ich Fotos hätte machen können.

Graureiher im Schwanenteichpark
Graureiher im Schwanenteichpark

Was am Samstag nicht vor die Linse kam, wurde dann am Sonntag nachgeholt. Auf der Mittelmole in Warnemünde saß der übliche Meerstrandläufer: Nicht scheu, sondern sehr fotogen.

Zwei weitere typische Warnemünder Arten sind der Strandpieper, welcher von September bis März fast jedesmal in geringer Zahl an einer der drei Molen sitzt und die Haussperlinge, die den alten Strom belagern und immer auf der Suche nach Leuten sind, denen einmal ein Krümmel herunter fällt. Obwohl Haussperlinge häufige Vögel sind, ist es mir noch nie gelungen, wirklich ansprechende Fotos zu machen.

An der Ostmole erlebte ich noch eine schöne Überraschung: Der Mink ließ sich wieder einmal sehen und fraß direkt vor meinen Füßen an einer toten Silbermöwe.