Foto- und Beobachtungstechnik

 

 

Warum werden meine Bilder unscharf, zu hell oder zu dunkel?

Was sind die richtigen Kameraeinstellungen?

Welche Kamera oder welches Objektiv eignet sich zur Vogelfotografie?

Welches Spektiv und Stativ ist empfehlenswert?

 

Auf dieser Seite versuche ich auf solche und noch mehr Fragen eine Antwort zu geben. Diese stellen aber nur meine persönliche Meinung dar und sollen keine Werbung für die jeweiligen Hersteller sein. Vielleicht kommen Sie zu ganz anderen Ergebnissen. Da hilft nur eines: Ausprobieren!

 

Mein erstes Fernglas bekam ich im Alter von zehn Jahren. Es war ein No-Name 7-21x40-Zoomfernglas. Lange Jahre hatte ich daran meine Freude, obwohl das schlechte Bild bei höheren Vergrößerungen und das schwergängige Fokusrad den Spaß trübten. Nachdem mir ein Tubengetriebe kaputtgegangen war und ein Tubus bei 7x und der andere bei 21x Vergrößerung stecken blieb, bekam ich ein zweites gebrauchtes Fernglas geschenkt: ein Carl Zeiss Jena Binoctem (7x50).

Dieses wurde Weihnachten 2012 durch ein Carl Zeiss Jena Asiola Spektiv mit 16-O-Okular (entsprechend 26,25x-Vergrößerung) ergänzt.

Doch auch hier wähnte die Freude über die höhere Vergrößerung nicht lange. Ein CZJ-typisch blasses und kontrastarmes Bild, ein deutlicher Schärfeabfall zum Rand, deutliche chromatische Aberrationen, ein ebenfalls schwergängiges Fokussierrad ohne Innenfokussierung, ein für mich unbequemer Geradeinblick, ein zu unflexibles Stativ mit rostenden Füßen und die fehlende Möglichkeit DSLR-Digiscoping zu betreiben, ließen den Wunsch nach einem „richtigen“ Spektiv aufkommen. Durch Befragen und Ausprobieren von Geräten anderer Vogelkundler, durchlesen der spärlichen Tests im Internet und Vergleich der Preise habe ich mich für folgende Kombination entschieden:

 

Stativ: Berlebach Report 903

Videoneiger: Manfrotto MVH500

Spektivkörper: Kowa TSN 883

Okular: Kowa TE-11 WZ

Bereitschaftstasche: Kowa C881

Fotoadapter: Kowa TSN-PA 7 mit passendem T2-Adapter

 

Warum aber ausgerechnet für diese Produkte?

 

Ich lebe an der Ostseeküste und Wind weht hier fast ständig. Nicht nur aus diesem Grund möchte ich ein möglichst stabiles Stativ. Schließlich soll bei Windstärke sieben nicht alles umkippen. Am einfachsten lässt sich Stabilität durch ein hohes Gewicht erreichen und aus dieser Hinsicht ist ein Holzstativ ideal. Zudem korrodiert es nicht wie ein Alustativ; man kann es zu jeder Jahreszeit anfassen, ohne das einem im Winter die Finger dran festfrieren oder man sich im Sommer verbrennt. Außerdem erzeugt Holz keine Reflektionen, die Tiere vertreiben könnten und zu guter Letzt ist die Produktion wesentlich umweltfreundlich als bei Alu- oder Carbonstativen. Ach ja: und finanziell günstiger als Carbon -und die meisten Alustative sind sie auch.

 

Für den Videoneiger habe ich nach einem Modell gesucht, welches in der Lage ist, ein Gewicht von mindestens fünf Kilo zu tragen. Außerdem waren mir eine Fluiddämpfung, sowie ein Gegengewichtsausgleich wichtig. Beide Funktionen sorgen dafür, dass das Spektiv nicht aus dem Gleichgewicht kommt und, falls doch, es nicht mit voller Wucht nach vorne oder hinten überkippt, sondern abgebremst wird.

 

Das Spektiv und das Okular: Prinzipiell sollte das neue Spektiv alles können, was das alte nicht oder nur schlecht konnte. Also: der Hersteller musste ein Zoomokular etwa im Bereich von 20/25-60/70x Vergrößerung im Angebot haben, damit man sich bei niedriger Vergrößerung einen guten Überblick verschaffen und bei hoher Vergrößerung Details beobachten kann. Zudem sollte die Farbwiedergabe natürlich und kontrastreich sein, Farbsäume sollten auf ein Minimum reduziert sein und etwas lichtstärker durfte es auch noch sein. Schnell fand ich mich daher in der „Königsklasse“ wieder, d.h. unter den großen Herstellern wie Leica, Kowa, Swarovski, Zeiss und Meopta.

Von hier an wusste ich erst einmal nicht mehr weiter, erschienen sie doch zumindest nach Herstellerbeschreibung alle sehr gut zu sein. Swarovski und Meopta machten allerdings im Aufbau eine Sache anders: der Fokussierring sitzt hier nicht oben auf dem Gehäuse drauf, sondern umschließt dieses komplett. Da ich befürchtete, dass während des Fokussierens und gleichzeitigem Beobachtens das Bildfeld zu sehr verwackelt, schloss ich diese beiden Hersteller aus. Unter den restlichen drei wählte ich Kowa, da alle mir bekannten Kowa-Besitzer mit ihren Geräten sehr zufrieden waren. Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereut habe.

 

Mittlerweile wurde das alte Fernglas durch ein neues Leica Trinovid 8x42 ersetzt.

 

Zur Fotografie:

Zu meinem Spektiv kaufte ich mir einen DSLR-Digiscoping-Adapter um mit einer Spiegelreflexkamera durch das Spektiv hindurch fotografieren zu können. Von einer Spiegelreflex versprach ich mir eine bessere Bildqualität und mehr Einstellungsmöglichkeiten als mit einer Kompaktkamera. Zudem gab es einen passgenauen Adapter an dem nichts wackelte.

 

Dennoch gibt es einige Nachteile:

  • eine teilweise schon zu hohe Brennweite: am 25-60x Weitwinkelzoomokular 1.000 – 2.450mm + evtl. Cropfaktor
    • dadurch kommt es trotz stabilem Stativ schnell zu Verwacklern
    • optisches System wird zu dunkel: Blende entspricht 12.4 – 27.8 bei der Kowa-Kombination
    • lange Belichtungszeit und / oder hohe ISO-Werte notwendig
    • Fernauslöser unabdingbar
  • Bild erscheint im Sucher extrem dunkel -> LiveView einschalten
  • kein Autofokus -> kein Problem, da über das Spektiv fokussiert wird
  • Die zusätzliche Länge und das Gewicht der Kamera erfordern einen fluidgedämpften Videoneiger (oder zumindest eine Balanceschiene) welcher z.B. von Filmstudios eingesetzt wird,  der dann entsprechend teuer und schwer ist.
Dazu kommen bei Verwendung einer Spiegelreflexkamera:
  • kein kameraseitiges Bildstabilisierungssystem
  • kein elektronischer Sucher, der deutlich heller und größer ist als eine herkömmliche Pentaspiegelkonstruktion

 

Die beste Kamera zum DSLR-Digiscopieren wäre wohl die Sony Alpha 7 III, da sie die technischen Nachteile von allen derzeit (Stand: September 2018) am Markt erhältlichen Kameras am besten kompensiert.

 

Trotz all dieser Nachteile kann ich mit dieser Technik einige akzeptable Fotos von Limikolen machen, die sonst nur schwer zu fotografieren sind.

Zur Kamera und zum Objektiv:

Meine erste eigene Kamera war eine Canon Powershot A520, welche ich zunächst zum „Compact-Digiscopieren“ nutzte. Als ich mir mein Spektiv kaufte, nutzte ich zunächst eine geliehene Canon EOS 500D in Kombination mit dem Canon EF-S 18-55mm 3.5-5.6 IS und dem Canon EF-S 55-250mm 4-5.6 IS. Mit dieser Kombination war ich zunächst sehr zufrieden, reichte sie doch für viele Vögel, die zutraulich waren aus. Was mich jedoch ärgerte, war die permanente Unterbelichtung, besonders bei Flugaufnahmen. Der Himmel wurde so zwar schön blau wiedergegeben, aber der Vogel (auf den kam es mir ja schließlich an) war komplett schwarz und zeigt keine Details. Also begann ich mich mit den „Kreativprogrammen“ P; Tv; Av und M, sowie der Belichtungskorrektur zu beschäftigen.

2015 kaufte ich mir meine erste eigene DSLR, eine Canon EOS 700D, wobei mir das touchfähige Klapp- und Schwenkdisplay sehr beim Digiskopieren und bei bodennahen Aufnahmen hilft.

Nun war mein Hunger aber immer noch nicht gestillt: eine richtig große (weiße) Tüte mit viel Lichtstärke und noch mehr Brennweite, einem schnellen Ultraschall-AF, einem guten Bildstabilisator und uneingeschränkter Offenblend- und Konvertertauglichkeit. Hier bot sich dann Ende 2016 die Möglichkeit im Internet ein gebrauchtes Canon EF 300mm f2.8 L IS USM zu ergattern. Zwar sind 300mm für Naturfotografen nicht viel, aber dafür ist es – auch an einer Crop - nahezu uneingeschränkt 1,4x-konvertertauglich. Die einzige Einschränkung ist ein etwas langsamerer Autofokus bei schlechtem Licht. Zumal ist es die einzige Linse, die ich noch bis zu einer halben Minute frei Hand halten kann. Die 400er, 500er oder 600er-Alternativen waren mir zu groß und zu schwer. Und was nützt mir ein Objektiv, dass so unflexibel ist, dass ich es nicht mit nach draußen nehmen kann?

 

Update September 2018: Pünktlich zum Urlaub habe ich mir noch den Canon 2x-Konverter gekauft. Bei ruhigen Objekten ist dieser eine echte Bereicherung, entspricht dies am APS-C-Sensor doch jetzt 960mm Brennweite. Erstaunlicherweise ist diese Kombination sogar gerade eben noch aus der freien Hand zu halten. Für fliegende Vögel eignet sich diese Kombination jedoch weniger, da der Autofokus, besonders bei bedecktem Himmel, häufig überfordert ist. Wenn er jedoch das Ziel gefunden hat, sitzt der Fokus auf dem Punkt.

 

Als Kameraeinstellungen verwende ich meist

  • das Programm M (Manuell)
  • als Standard-Belichtungszeit nutze ich 1/2.000s oder höher, gehe aber bei Bedarf auch weiter runter bis ca. 1/500s
  • AUTO-ISO möglichst zwischen 100 und 1600

Beim Gebrauch von hochwertigen Objektiven sollte man auch die Objektivkorrekturen ausschalten, dies sorgt für wesentlich schnellere Serienaufnahmen.

 

Derzeit fotografiere ich noch ausschließlich im JPEG-Format, auf lange Sicht werde ich mich dann ans RAW-Format wagen.

 

Nach nunmehr 4 1/2 Jahren und ca. 92.000 Auslösungen auf dem Verschluss mit der 700D habe ich im September 2019 das Upgrade auf die Canon EOS 90D gewagt. Ich bekam sie dann auch als einer der Ersten. Beweggründe für den Umstieg waren die deutlich bessere (fast perfekte) Ergonomie, die Serienbildgeschwindigkeit von 10 Bilder pro Sekunde, die Tatsache, dass ich jetzt auch meine UHS-II-Karte ausreizen kann, die größeren Cropreserven durch die höhere Auflösung und gleichzeitig niedrigeres Rauschen. Nicht zu vergessen der sehr differenzierbar gestaltete Autofokus.

 

Zwar ist die Fokusgeschwindigkeit im großen Maße vom verwendeten Objektiv abhängig, dennoch hat die 90D mein 1999 erstmals vorgestelltes Tele nochmal richtig auf Trab gebracht. Auch die Sicherheit ein Motiv im Fokus zu halten (dies ist überwiegend von der Kamera abhängig) ist jetzt erheblich höher. Bei Testaufnahmen konnte die Kamera schnell fliegende Tauben kontinuierlich sicher fokussieren, was die 700D vor große Schwierigkeiten gestellt hat. Bis jetzt bin ich mit der neuen Kamera rundum zufrieden.

 

Ein Wort noch zum Fokus-Bracketing: Canon listet zwar kompatible Objektive auf, allerdings scheint es sich dabei wohl nur um eine Empfehlung zu handeln. Sowohl mit meinem Canon EF 35mm f2 IS USM als auch mit dem 300mm f2.8 L IS USM funktioniert - auch mit Konvertern und Zwischenringen - das Fokus-Bracketing wie gewohnt.

 

 

 

 

Strandgut kann oft ein bodennahes Stativ ersetzen. Für noch bodennähere Aufnahmen eignet sich der Sand direkt als Stativ. Viel Spaß beim Sandkörner-aus-Feingewinden-putzen. ;-)

 

Auf Augenhöhe mit Limikolen ist ein Gurt oft hinderlich, auch wenn er zum Tragen sehr nützlich ist.